4 Fragen an Wiener Miniorchester

Eben hat das Wiener Miniorchester seine erste CD „Heimspielerei“ (nonfoodfactory) veröffentlicht.

 

 

Wie ist das Wiener Miniorchester entstanden und wie habt ihr eure musikalische Richtung gefunden?
Wir haben uns in der Folk-Szene kennen gelernt, wo wir öfters bei Jam Sessions gemeinsam musiziert haben. Durch unsere gemeinsame Liebe zu alter (Tanz)Musik und deren Quellen war es schnell klar, dass uns einiges verbindet. Da wir das gemeinsames Musizieren sehr genossen haben, wurde das Wiener Miniorchester gegründet – Johannes am Akkordeon als Orchesterleiter und ich an der Violine und Nyckelharpa als Orchesterleiterin. Wir spielen Musik, die uns beiden nahe liegt durch unsere Leidenschaft historische Quellen wieder zu beleben, zum Tanz zu spielen gemischt mit Stücken aus unseren (verschiedenen) Heimatorten.
Wie findet ihr die Stücke, die ihr spielt?
Einige gängige Stücke haben wir bei Jam-Sessions oder von anderen Folk Musiker*innen gelernt, einige beim Durchforsten von alten Handschriften. So haben wir zum Beispiel das allererste Stück auf der CD - „Aria" - in einem dänischen Manuskript aus dem 18. Jahrhundert gefunden und es kombiniert mit einem deutschen Stück aus dem 18. Jahrhundert, das in der Wiener Folkszene sehr beliebt ist und oft gespielt wird. Anderes haben wir im Zuge der Recherche für Tanzworkshops gefunden. So hatten wir 2020 ein Menuettprojekt mit einer deutschen Tänzerin geplant, welches leider durch die Pandemie abgesagt werden musste. Hierfür haben wir Menuette in verschiedenen europäischen Manuskripten aus dem 18. Jahrhundert gesucht und einige Perlen gefunden. Daraus ist nun das Set 'Grand G’ auf der CD entstanden.

 

Ihr komponiert auch selbst, wann bzw. entsteht ein Stück von euch selbst?

Ich, Anna, schreibe Tunes meist als Prozess emotionaler Verarbeitung von Begegnungen und Reisen. Hierbei empfinde ich das ’Schreiben’ eigentlich auch nicht als komponieren - die Musik ist einfach plötzlich in mir, wird dann von mir gespielt und aufgenommen und über einige Tage hinweg feile ich dann an einer Endversion.

 

Warum interpretiert ihr skandinavische traditionelle Musik? Was ist das Besondere daran?

Durch das Instrument Nyckelharpa haben wir einen besonderen Bezug zu Skandinavien - die Nyckelharpa ist ein altes traditionelles Instrument aus Schweden. Mehrere musikalische Reisen haben Anna dann auch dort hingebracht und sie durfte dabei etwas in die Kultur eintauchen. Es ist immer etwas ganz besonderes traditionelle Musik vor Ort mit den Musikant*innen zu musizieren und dadurch wunderbare Freundschaften zu knüpfen oder auch durch eine kurze Begegnung einen wertvollen Schatz in Form einer persönlichen Melodie mitzunehmen. Zudem gefallen uns die besondere Atmosphäre und Rhythmen in schwedischer Musik besonders gut. (jpl)